Demnächst mit 67 Jahren in Rente, demnächst mit 70, danach noch später.
Spinnen die Dänen?
Nicht irgendwer, sondern der Ministerpräsident des Landes, Lars Rasmussen, begründete seinen Vorschlag für eine derartig radikale Rentenreform. Das gehe nicht anders, gehe es doch um nicht weniger als das Überleben der Wirtschaft und des Rentensystems.
Sicher: Das klingt wie Angela Merkels „alternativlose“
Schlapp-Staaten-Rettung oder Gerhard Schröders Basta-Politik. Andererseits: Vielleicht muss, wer unpopuläre Dinge durchsetzen will, zu derart kraftmeierischer Rhetorik greifen.
Rasmussen wurde selbstredend mächtig verprügelt von der Opposition. Dabei ist sein Vorschlag doch nur vernünftig, vor allem dies: Den Beginn der Rente an die Entwicklung des durchschnittlichen Lebensalters eines Volkes zu binden. Damit wäre klar: Rente bekommt man als Durchschnitts-Deutscher oder –Däne maximal 15 Jahre, ganz gleich, wie alt man wird.
Das ist natürlich nicht nur in Dänemark ein Tabu. Über die Rente mit 67 hat es die SPD mehr oder weniger zerlegt. Und auch die CDU will über das Thema am liebsten gar nicht reden. Das ist natürlich Politikverweigerung, zynischer: Vielleicht besteht Politik gerade in diesem empfindlichen Fall in Politikverweigerung.
Denn Rente hat an sich viel mehr mit Mathematik als mit Politik zu tun. Es
ist völlig klar, dass die Renten sinken müssen, wenn immer weniger Menschen immer mehr Menschen im Alter versorgen müssen. Es gibt aber nur zwei Wege, wie Renten sinken können: Entweder wird absolut weniger Rente gezahlt, oder für die unverändert hohe Rente muss länger gearbeitet werden.
Ganz gleich, wie der Dänenstreit ausgeht: Auch die Deutschen kommen an einer neuen Rentenformel nicht vorbei. Leider wird viel zu wenig über die Chancen geredet, die darin liegen. Wie will und kann man arbeiten, wenn man älter als 65 Jahre alt ist? Wie viele Tage, wie viele Stunden welche Belastung? Wie viel Urlaub, wie viel Freizeit? Und so weiter. Es gibt
schließlich eine ganze Menge Menschen, die sich davor fürchten, eines Tages gar nicht mehr arbeiten zu dürfen.
Michael Cramer 28.01.2011
In Berlin ist längst klar: 70 reicht nicht, bald sprechen wir über 73, 75 Jahre. Die Frage ist nur, wer traut sich zuerst aus der Deckung?
Melissa 28.01.2011
Endlich mal ein interessanter Beitrag, besten Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich diesen Blog gut zu lesen.
Westi 30.01.2011
Natürlich besteht – prinzipiell – die Notwendigkeit, die Lebensarbeitszeit zu verlängern.
Aber solange die Damen und Herren Volksvertreter nicht begreifen, dass sie beispielsweise jemanden, der 45 Jahre als Fliesenleger auf seinen Knien herumgerutscht oder bei Wind und Wetter auf Dächern herumgeklettert ist, nicht genauso behandeln können wie den Bank-/Büro-/Industriekaufmann (oder auch Journalisten;-)), der 45 Jahre im warmen (Redaktions-)Büro verbracht hat, solange darf man sich über den Unmut, die Wut und fehlende Akzeptanz im Volk nicht wundern.
aloa56 30.01.2011
Dann würde ich empfehlen einmal damit zu beginnen und nachzurechnen.
Ich erleichtere Ihnen das einmal etwas und geben gewissermaßen Starthilfe (siehe verlinkten Blogeintrag).
Grüße
ALOA.
News zum Thema Rente und Rentenberatung am 31.01.11 31.01.2011
[...] Auf der Seite reitzthema.de gefiel uns dieser Beitrag: Basis-Rente: Am 30. Juni 2011 läuft die Frist zur Zertifizierung ab [...]
Demographieproblem und Sozialversicherung – urban legend, die Politik der kleinen Schritte (Update) « libri logicorum – Wirtschaft und Politik…. logisch 31.01.2011
[...] Da wird schon von Seiten der Presse (hier: WAZ-Mediengruppe) mit Bezug auf Dänemark über eine Rente ab 70 gesprochen und kolportiert. Wenig lustig ist dabei die Behauptung das dies auch noch auf [...]
Wundertuete 01.02.2011
Dänemark hat andere Strukturen als Deutschland.Dieses darf man bei der Reform-Diskussion nicht übersehen. In Deutschland hat anders als in Dänemark kein 50 jähriger mehr die Möglichkeit einen neuen Job zu finden. Aus diesem Grunde ist dieser Vorschlag für Deutschland nicht akzeptabel. Es handelt sich um eine massive Rentenkürzung.Es waren mal gute Ansätze das Renteneintrittsalter nach den Beitragsjahren zu bemessen. Das wäre für die jetzige Generation um die 60 in Ordnung. Aber schon die Generation danach hat das Nachsehen. denn was kann diese Generation dafür das sich ihre Chance auf dem Arbeitsmarkt so verschlechtert hat.